Ehemaliger Horchposten im Werra Meißner Kreis

  • das ist ja interessant, dass man sich für den ehemaligen Turm so interessiert....



    als ehemaliger 947er mal aus der Erinnerung ein paar Infos.


    im Turm saßen keine 200 Leute auf einmal, es gab aber 4 Schichten (3 die Dienst hatten und 1 die frei hatte) und pro Schicht könnten es 30-50 Personen gewesen sein. Auswerter und Aufklärer. einerseits Peilfunker und es gab eine Richtfunkeinheit mit allem Pipapo für den kompletten Frequenzbereich. da kam im etwa 200 Grad Winkel (weiße Stab-Antennen auf dem Luftbild) alles rein, wenn man wollte, 0hz - Gigahertz. vom Polizeifunk, bis C-Netz-Telefon bis Fernsehsignal. und natürlich die Aktivitäten der GSTD (Gruppen Sowjetischer Truppen in Deutschland).


    alles was interesant war, wurde auf Cassette aufgezeichnet und im Turm zumindest vorausgewertet. alle Aufnahmen hatten auch eine Peilung, um zu wissen, wer von wo was spricht oder sendet oder Waffensystem einsetzt. sonst macht das ja keinen Sinn. dies in Kooperation ggf. mit Nachbartürmen + Kreuzpeilung (also z.B. Heli + Osterode). Reichweite Richtfunk war glaube ich um max. 200 km.


    natürlich konnte aber alles, was in dem Bereich ankam, auch mitgehört werden. also wenn Genosse Vitali zu seiner Frau eine Verbindung nach Siam aufgebaut hatte, konnte das mitgehört werden (und wurde es auch, da Privatgespräche meist sehr informativ über den Truppenalltag derer waren).


    interessant ist vlt. auch zu wissen, dass Raketen u.ä. (zumindest damals noch) über Funk gelenkt wurden. wenn die Russen getestet/geübt haben, konnten wir (oft) feststellen, wo die Einheit gerade steht. durch das Funksignal bzw. dessen Rauschen und Amplituden (Spektrumanalyse) wurde das Waffensystem identifiziert, durch die Peilung der Standort. Rohde & Schwarz baut(e) dafür Geräte. man beachte da übrigens mal deren Logo. btw auch mal das alte Siemens-Logo (Siemens & Halske)....


    ohne Funk geht wehrtechnisch nichts. mit Signalstörung können ganze Einheiten lahm gelegt werden. deswegen war für den Ernstfall die EloKa mit Füchsen ausgestattet, um direkt hinter der HKL einerseits aufzukären und andererseits zu stören. die Türme wären im Ernstfall als erstes vom Feind zerstört worden. West wie Ost übrigens.


    die Zusammenarbeit mit den US-Truppen war eher einseitig. d.h., BW lieferte Material, bekam aber wenig bis nichts von denen. man hatte auch sonst kaum Kontakt, getrennte Eingänge etc.


    insgesamt war das eine echt spannende und lehrreiche Angelegenheit. insofern kommen alle halbwegs informierten aus dem Lachen zur sog. NSA Affähre auch gar nicht mehr raus :-D


    vorne links auf dem Luftbild (hinter den Autos) war die Einfahrt mit Doppeltoren. der Mannschaftsbus fuhr ein, Tore zu, Ausweiskontrolle. Im Eingang zum Turm stichprobenartig Taschenkontrolle, bei Dienstende auch. Fotographieren o.ä. strikt verboten. deswegen gibts da vmtl. auch kaum Bilder von innen oder außen.

  • Hallo Weinbeere-1987,


    als ehemaliger 946er hätte ich auch einen anderen Benutzernamen wählen können, ähnlich wie du. Wenn du dich "Weinbeere" nennst, hätte ich mich hier auch "Eidotter" oder "Tagebau" nennen können, gell?!


    Gruß aus Hof

  • Hallo Philipp,


    das sind ja super Bilder. Ich hätte nie gedacht, dass es so detaillierte Aufnahmen von der Anlage gibt und als Höhen- und Kletterfetischist wird einem bei dem Turmausblick ganz warm ums Herz..


    Interessant finde ich die Form des VHF-Peilers, ich kenne diese Antennenform bisher nicht. Kannst Du etwas zu der Funktion sagen? Ich nehme an, dass die Antenne nicht mechanisch gedreht wurde, sondern dass die Richtwirkung durch Phasenverschiebung er einzelnen Elemente erreicht wurde. Kannst Du hierzu etwas sagen?


    Viele Grüße aus Vellmar,


    Jörg.

  • Ja, das System war fest installiert.


    Gruß Phil


    Hi,
    ich vermute das war eine Peilantenne von Telefunken. Diese oder ähnliche wurden für die Telgon IV genutzt.
    Die Antennen konnten Stationär und Mobil betrieben werden.
    Hier ein Bild der Telefunken Antenne:


    mfg
    b.e.

  • Löschung:
    Der Beitrag von »Philipp« (Gestern, 18:58 ) wurde aus folgendem Grund vom Autor selbst gelöscht: siehe oben (Heute, 08:59).
    :icon_question2_1: Der Grund der Löschung ist leider nicht erkennbar.
    Schade, es waren sehr interessante Bilder vom Meissner.
    mfg
    b.e.

    immer mehr ältere Menschen verschwinden im Internet, wenn sie ALT und ENTFERNEN drücken

  • Zufällig kam ich im schneereichen Winter 61/62 zum Meißner. Eingerichtet haben wir uns in den "Adolfschen Häuschen" oberhab des Meißner-Restaurants;
    direkt neben dem Funkturm . Die beiden Häuschen waren in etwa 200 Höhenmeter über dem Hotel.
    Eingerichtet und betrieben haben wir damals als Angehörige des FmBtl220 eine Horchstation.
    Zunächst Versuch, danach habe ich den Werdegang nicht weiter verfolgen können, da ich ins 3. Korp
    nach 2./320 versetzt wurde.
    Das viel zitierte "Schwalbenthal-Restaurant lag ein ganzes Stück weg, Richtung Eschwege.


    Vielleicht interessiert das Thema. Wenn nicht (bitte löschen). :icon_coolnew_1: