Ehemaliger Horchposten im Werra Meißner Kreis

  • Tatsächlich ist auf dem vorigen Bild der Standort der Cola-Dose zu sehen. Über die andere Station weiß auch kaum einer was. Ich kann auch gerne nach mehr Infos suchen und nachfragen, der Turm stand an der Stelle des Hülfsstollens, unterhalb der Stinksteinwand. Ich meine, der Weg, der von Schwalbenthal aus kommend dort hinab führt, ist asphaltiert, auf jedem Fall ist er unscheinbar, denn er führt direkt in den Wald. Man könnte auch denken, die Betonblöcke seien als Sicherung gebaut worden, dass der Berg am Schwalbenthal nicht weiter abrutscht ( vielleicht war eine Sciherung geplant), doch dieses bestätigte sich nicht. Auf einer Webseite ist auch einmal von "Baracken am Schwalbenthal" die Rede.

  • Auch ich werde mich nochmal intensiv nach den "Turm und Baracken am Schwalbenthal erkundigen.
    Infos darüber gibt es keine. Aber vielleicht war es wirklich ein Objekt, dessen Nutzen niemand kannte.

  • Hallo,
    eine Sicherung um ein Abrutschen des Berges zu verhindern gab es,
    mit in Betonklötze eingelassenen Stahlseilen.
    Der Meißner ist ohnehin sehr interessant für unser Forum und hätte es sogar verdient, eine eigene Rubrik zu erhalten.. :)
    Grüße

  • Diese Sicherung hat jedoch mit dem Bergbau zu tun und befindet sich auf der Kalbe, sie hat überhaupt nichts mit dem Militär zu tun.
    Sie wurde 1964 hier angebracht. Anfang der 60er gab es im Februar anormale Niederschlagsmengen (200 mm), sodass der Kalbezahn drohte, auf seiner glitschigen Tonschicht in den Tagebau abzurutschen. Also hat man wegen der neu erfundenen Technik für 300.000 DM diese Seilsicherung gebaut, doch auch der Tagebauchef sagte zum damaligen Landrat Eitel O. Höhne, der diese Sicherung vorschlug, dass es wohl sinnvoller wäre, ein Schwimmbad in Frankershausen (900 Einwohner) zu errichten, als eine Seilsicherung zu bauen. EDie anderen Bergmänner und er behielten Recht: Nach nur drei Monaten rutschten Betonpfeiler aus ihrer Verankerung, die Sicherung wurde abgerissen. Für sinnvoller hielt man es, mit Basaltmaterial aus dem Basaltwerk Bransrode eine Innenkippe an die Kalbe zu schütten. Kohlestückchen, die ebenfalls verkippt wurden, entzündeten sich später, sodass es im Tagebaubereich neben der Stinksteinwand, die sowieso schon die ganze Zeit schwelte, bestialisch nach brennender Kohle stank (schwefelähnlicher Geruch, auf dem Berg, abends auch im Tal manchmal wahrzunehmen). Und diese Innenkippe zeigte Wirkung: Bis heute rutscht die Kalbe zwar noch drei Zentimeter pro Jahr, doch in Gefahr ist sie nicht mehr.
    Bilder sind auch bald auf meiner Website (hoher-meissner.jimdo.com) zu sehen, dann unter Bergbau weit unten.
    Ich hoffe, ich konnte euch damit weiterhelfen! :icon_biggrin_1:

  • Ich kenne den Meißner erst seit recht kurzer Zeit, ich habe die Militäranlagen also nie selber gesehen. Kann irgendjemand beschreiben, wie die Cola-Dose aussahr oder hat vielleicht irgendjemand Bilder von ihr? Ich würde mich sehr freuen.

  • Bilder von der "Cola-Dose" sucht man vergebens. Selbst Recherchen im Archiv der Stadt Eschwege führten bisher zu keinem Erfolg. Meine Vermutung ist, dass man eher im Privatbereich solche Bilder finden kann. Aber nicht bei denjenigen, die Bilder von den militärischen Einrichtungen machen wollten, sondern eher zufällige Aufnahmen, die den Meißner im Hintergrund zeigen.


    Wenn man bspw. das Gasthaus Schwalbenthal aus der Ferne fotografierte, ließ es sich nicht vermeiden, dass zumindest einer der beiden Türme mit auf dem Foto zu sehen war. Oder Bilder von den umliegenden Gemeinden, Landschaftsbilder, Bilder vom damaligen Tagebau usw usw....


    Bisher waren meine Bemühungen aber leider vergebens!


    Vom Aussehen erinnerte die Anlage eben an eine Cola-Dose :icon_coolnew_1:
    Relativ niedrig, aber dafür umso größer im Umfang. Kann mich auch noch sehr gut an den Abriss erinnern. Mehr Infos kann ich leider nicht geben! :icon_confusednew_1:

  • Hallo,
    auf "Geschichtsspuren.de" gibt es einen Artikel über die Heeresaufklärungstürme. Hier ist unter andrem aufgeführt, dass die Bundeswehr (Heer) bevor der Turm auf dem Hohen Meißner fertiggestellt wurde, in einer Stellung am Vorderhang des Meißners am Turm Schwalbenthal aus einer Baracke heraus tätig war. Das könnte das sein, was Malte meint. In der Mittagspause recherchiere ich mal.
    Der Heeres-Turm auf dem Hohen Meißner war übrigens 15 Meter höher, als die Schwestertürme des Heeres.


    http://www.geschichtsspuren.de…t-heeres-horchposten.html


    Gruß
    Jäger

  • In der Mittagspause habe ich beim Recherchieren diesbezüglich an einem kühlen Ort etwas von Rudolf Grabau gelesen. Manche sagen auch, Rudolf Grabau ist so etwas wie der Papst der Fernmeldetruppe.
    Also Herr Grabau schreibt hierzu (teilweise Auszug):
    Bereits 1959 und 1960 ist der Berg „Hohen Meißner“ sporadisch vom Fernmeldebataillon 220 (FmBtl 220, ein Nahaufklärungsbataillon des II. Korps, damals noch in Ansbach/Bayern stationiert) als Aufbauplatz zur Aufklärung von Truppenfunk und Radar der sowjetischen Landstreitkräfte in der DDR genutzt worden.


    Anmerkung von mir: Das FmBtl 220 verlegte später nach Donauwörth und Teile davon (3./FmBtl 220) betrieben Aufklärung am Großen Kornberg, wo 1976 auch ein dritter Heeresaufklärungsturm erbaut wurde. Das FmBtl 220 gehörte zum II. Korps in Ulm.


    Das FmBtl 220 hatte am Hohen Meißner anfangs nur Zelte als Unterkünfte, in der Nähe des Rundfunksenders konnte das bundeseigene “Meißnerhaus“ als Unterkunftshaus dann übernommen werden. Das Meißnerhaus diente nicht nur als Unterkunftshaus für Heeressoldaten, sondern auch zur Durchführung von Lehrgängen für Elo-Aufklärer.
    Ab Mitte 1962 übernahm das neu aufgestellte Fernmeldebataillon 320 (FmBtl 320) aus Frankenberg/Eder mit Teilen den Aufbauplatz und ließ Feldhäuser errichten.


    Anmerkung von mir: Das FmBtl 320 gehörte zum III. Korps in Koblenz. Wir reden aber immer noch vom Gelände/Bereich, wo das Meißnerhaus steht.

    Das FmBtl 320 betrieb jetzt Aufklärung rund um die Uhr.


    Anmerkung von mir: Jetzt kommt ein Wechsel der Örtlichkeit:


    Am Vorderhang vom Hohen Meißner beim Schwalbenthal besaß der BND eine Aufklärungseinrichtung, von der aus vorwiegend militärischen Flugfunk abgehört wurde. Später sind dann diese Antennen (Empfangs- und Peilanlagen) des BND am Schwalbenthal von der BND-Erfassungsstelle Kassel fernbedient worden.
    Die Bundeswehr wollte einen ihrer 3 geplanten Heeres-Fernmelde-Aufklärungstürme auf dem Hohen Meißner errichten.
    Trotz vieler Einsprüche begann 1973 die Baumaßnahme.
    In der Zwischenzeit hatte der BND die Erfassungsstelle Schwalbenthal geräumt und das FmBtl 320 zog mit seinen Teilen von dem Gelände am Meißnerhaus in diese Erfassungsstelle Schwalbenthal.


    Anmerkung von mir: Der BND ist vermutlich nach Aufgabe der Erfassungsstelle Schwalbenthal zur Erfassungsstelle „Cola-Dose“, die wiederum vermutlich von den Amerikanern aufgegeben wurde. Genaue Daten für diese Verlegungen habe ich aber nicht bei Grabau gefunden. Dürfte aber so Ende der 60er Jahre, Anfang der 70er Jahre gewesen sein.

    Unmittelbar neben dem Platz, wo der Heeres-Fernmelde-Aufklärungsturm errichtet wurde, betrieb die US-Army im Auftrag der NSA ebenfalls eine Aufklärungseinrichtung. Die NSA trat an den Aufklärungspartner BRD mit der Bitte heran, im neuen Turm eine Richtfunkstelle einbauen zu können, mit der sie als Teil eines Kommunikationsnetzes ihre grenznahen Erfassungssensoren von Augsburg aus fernbedienen können. Der Bitte wurde stattgegeben und der Turm dadurch um weitere 15 Meter erhöht.
    Im Januar 1977 ist dann der neue Heeres-Fernmelde-Aufklärungsturm an die Fernmeldekompanie 947 (FmKp 947) übergeben worden.
    Die FmKp 947 ist im Juli 1975 aufgestellt worden und war in der Blücher-Kaserne in Hessisch Lichtenau stationiert.
    Der Auftrag der FmKp 947 war:
    Erfassung drahtloser Fernmeldeverbindungen sowie Ortungs- und Leitdienste der oberen Führung der Landstreitkräfte des Gegners.
    Besetzen, betreiben und unterhalten in 2 Aufklärungsanlagen spezielle ortsfeste FmEloAufkl-Systeme im 24-stündigen Dienstbetrieb.
    Auswerten und weiter leiten der Auswerteergebnisse sowie von Meldungen an die Zentrale Auswertung Heer.


    Der II. Zug besetzte die 2. Aufklärungsanlage im Luftwaffen-Fernmelde-Aufklärungsturm auf dem Stöberhai im Harz (Luftwaffen-Fernmeldesektor C).
    Am 2. Oktober 1992 wurde der Aufklärungsbetrieb eingestellt, Mitte 1993 wurde die FmKp 947 aufgelöst.


    Gruß
    Jäger

  • Die Schwesterkompanie, die FmKp 946 war in Hof in der General-Hüttner-Kaserne stationiert. Der I. Zug betrieb die Einsatzstellung im Heeres-Fernmelde-Aufklärungsturm auf dem "Großen Kornberg". Dieser Turm wird noch genutzt, aber nicht mehr militärisch. Auch in diesem Bereich gab es schon bevor der Turm auf dem Großen Kornberg gebaut wurde, grenznahe Aufklärungsstellen und zwar im Ortsteil Martinlamitz von Schwarzenbach an der Saale (quasie am Fuß vom Großen Kornberg).
    Der II. Zug war in Bad Kötzting (damals nur Kötzting) in der Hohenbogen-Kaserne, die Einsatzstellung war im Luftwaffen-Fernmelde-Aufklärungsturm auf dem Hohen Bogen (Luftwaffen-Fernmeldesektor F).


    Die FmKp 946 hat eine schöne HP mit vielen Bildern. Ich empfehle die Menüs Chronik, Eloka, Technik-Elo und i. und II. Zug.


    http://fmkp946.npage.de/


    Gruß
    Jäger

  • "Jäger" wrote:

    ...Die FmKp 946 hat eine schöne HP mit vielen Bildern...

    Als "Mitleser" dieser Beiträge danke ich Dir für diesen Link, der eine Fülle mir bislang wenig oder gar nicht bekannter Informationen enthält.

  • Bitte gerne. Leider gibt es von der FmKp 945 und 947 keine HP, jedenfalls habe ich noch keine im Netz gefunden.
    Neu war für mich auch aus dieser HP, dass die Eloka-Kompanie 12 in voller Stärke (bisher nur Kader-Kp) aus dem II. Zug der FmKp 946 aufgestellt wurde. Das deutsche Heer hatte früher viele Divisionen (12 an der Zahl) und jede dieser Division sollte eine Eloka-Kompanie in voller Stärke bekommen. Scheinbar ist das erst gegen Ende des Kalten Krieges vollzogen worden, so geschah das Aufstellen der FmKp 12 (gehörte zur 12. Panzerdivision) erst 1988. Die FmKp 12 jetzt bitte nicht mit dem FmBtl 12 verwechseln.


    Der ehem. Luftwaffen-Fernmeldesektor F in Bad Kötzting, wo auch dann diese Heeres-FmKp 12 zu Hause war, hat ja auch als Traditionsverein eine schöne HP


    http://www.traditionsverein-hohenbogenkaserne.de/


    Gruß
    Jäger

  • Ich habe noch was interessantes gefunden. Allerdings sind Kenntnisse der englischen Sprache erforderlich! :icon_biggrin_1:


    http://www.usarmygermany.com/Sont.htm?http&&&[url]www.usarmygermany.com/units/asa%20europe/usareur_asae.htm#415th[/url]



    "The 507th USASA Group was activated in Oct? 1957. The subordinate elements of the Group expanded their operational sites to 17 spread throughout Germany. Some of the sites were at Lübeck, Mount Meissner, Gartow, Gusborn, Schneeberg, St. Andreasberg, Wobeck, Grünstadt (GuardRail) and many other border sites and locations."