Ehemaliger Horchposten im Werra Meißner Kreis

  • "Malte" wrote:

    ...Ich kann auch bald mal Bilder posten...

    Bilder sind immer gerne gesehen...

    "Jäger" wrote:

    ...bei einigen Aussagen können falsche Interpretationen bei so manchem Leser hier entstehen...

    Danke für die Ergänzung, denn viele vom "Hörensagen" zitierte Aussagen sind oft nicht zutreffend. Darum ist es immer wieder bemerkenswert, wenn Informationen aus "Erster Hand" beigesteuert werden und sich damit andere Aussagen ergänzen oder gar revidieren lassen.

  • Die Informationen habe ich von dem ehemaligen Chef des Tagebaus am Meißner. Dass hier Musik abgespielt wurde, hat er mir erzählt, ob Chinesen dort gearbeitet haben, das weiß ich nicht ganz genau. Auch die Anzahl der Beschäftigten ist mir nicht ganz klar, ebenso die Menge des Sprengstoffs u. ä. Doch mit den Lautsprechern bin ich mir sicher, und dass dort Japaner gearbeitet haben, ist wohl auch bekannt.
    Übrigens: Ich kann auch Kontakt aufnehmen zu einem Mann, der einst am ELOKA-Turm gearbeitet hat!

  • Das Abhören von Gesprächen auf dem roten Platz in Moskau mag zwar nicht möglich gewesen sein, doch ich hörte schon öfter, dass der Basaltdeckel auf dem Meißner mit seiner Form Geräusche oder Funksignale (?) stark wiederspiegelt und man so trotz unausreichender Technik solche Gespräche abhören konnte.

  • Vielleicht noch einmal zum besseren Verständnis, hier lesen ja auch viele mit, die mit der Thematik nicht so vertraut sind.


    Die Fernmeldestationen auf dem Hohen Meißner, also Bundeswehr, US-Streitkräfte und Bundesstelle für Fernmeldestatistik haben hier auf dem Meißner als „vorgeschobene Posten“ wie auch an anderen Stellen im Zonenrandgebiet in der Regel nur „Signale“ (auch Funksprüche sind Signale) empfangen (Gegenmaßnahmen, also „Störungen“ waren natürlich auch möglich).
    Bei diesen“ vorgeschobenen Posten“ wurde aber keine große Auswertung und Lagefeststellung betrieben. Die empfangenen „Signale“ wurden weiter gemeldet. Solche „vorgeschobenen Posten“ waren deshalb im Zonenrandgebiet, weil hier bestimmte Erfassungen (Signale) natürlich besser empfangen wurden.


    Da der Bundeswehrturm auf dem Hohen Meißner ein Eloka-Turm (Fernmeldeturm für elektronische Aufklärung) des Heeres war (auch die Luftwaffe und Marine hatte solche bzw. ähnliche Türme), wurde also auch zum Heer gemeldet, zum Fernmeldestab 94 in die Eifel.


    Bei den Amerikanern kenne ich den Meldeweg nicht so genau, denke aber, dass hier die Auswertung in Augsburg war, ggf. bis 1972 über Rothwesten.


    Noch einmal zum Personal, dass hier eingesetzte Personal wurde einer sehr strengen Sicherheitsüberprüfung unterzogen (auch bei den Amerikanern war es so). Diese Überprüfung dauerte mehrere Monate, da durften als Beispiel in der DDR keine nahen Verwandten wohnen, dieses wurde in der Regel als Sicherheitsrisiko bewertet und somit kein Einsatz bei der „Eloka“.


    Gruß
    Jäger

  • Nach wie vor ist das Thema "Hoher Meißner und die Auswirkungen des Kalten Krieges" für Viele interessant.
    Erstaunlich in diesem Zusammenhang ist jedoch, dass es nach wie vor sehr schwer ist, Bilder vom sog. "Meißner-Turm" zu finden. Sicherlich dürfte auch die damals noch nicht vorhandene digitale Fototechnik ausschlaggebend dafür sein.


    Lediglich zwei Luftaufnahmen sind recht einfach über einschlägige Suchmaschinen im Internet zu finden. Sucht man jedoch nach Frontalansichten des Meißners, die für die meisten Bewohner im Meißnervorland für Jahrzehnte zum alltäglichen Bild gehörten, so findet man keine Bilder, die den Meißner mit dem Eloka-Turm (elektr. Kampfführung) zeigen.


    Eigene Recherchen im Stadtarchiv von Eschwege etc. führten ebenfalls zu keinen nennenswerten Ergebnissen. Auch zahlreiche Bücher über den Hohen Meißner aus den 80er Jahren und auch Neupublikationen aus 2011 enthalten absolut keine Bilder über diese Anlagen. Auch Fotos von der in der Nähe des Schwalbenthals/Frau Holle-Teich gelegenen Anlage (sog. "Cola-Dose" der US-Army) such man vergebens.


    Gibt es in in diesem Zusammenhang vielleicht noch ein bestehendes Publikationsverbot?

  • Ein Publikationsverbot für VS (VS = Verschlusssachen und auch ein Foto kann als VS eingestuft sein) gibt es in der Regel für 30 Jahre.


    Aber ich glaube, dass ist nicht der eigentliche Grund. Diese Bereiche waren in der Regel mit großen Hinweisschildern als Militärische Schutzbereiche ausgewiesen. Und da war auch zu lesen, dass das Fotografieren, Filmen, Anfertigen von Skizzen usw. verboten ist. Zuwiderhandlungen werden mit 10.000,- DM bestraft (ob es schon immer 10.000.- DM waren kann ich nicht so genau sagen, ich meine in der 70er Jahren war es etwas weniger, evtl. 7,500.- DM, bin mir aber nicht sicher, heute auf alle Fälle 5,000.- Euro). Der deutsche Staatsbürger war damals sehr gehorsam, wenn da geschrieben stand, dass nicht fotografiert werden durfte, hat er sich daran gehalten. Auch gab es damals nicht so viele Mit-Bürger mit Migrationshintergrund, da gab es einige Italiener als Pizzabäckerund Eisverkäufer, aber die große Mehrheit der Bevölkerung war deutsch und durch den II. Weltkrieg geprägt. Das Bewußtsein bei vielen Bürgern war damals ein anderes.
    Und wenn nicht so viel fotografiert wurde, kann es natürlich auch nicht so viele Fotos geben.


    Hinzu kommt auch noch, dass damals viel strenger kontrolliert wurde, also auch eine gewisse Angst "erwischt" zu werden. Da standen manchmal zivile Kfz mit Zivilpersonen in der Nähe solcher Anlagen. Das waren aber keine Wanderer oder Autofahrer, die gerade mal eine Pause machten, nein und das darf man mir glauben, da saß die Militärpolizei (Feldjäger der Bundeswehr) oder auch der MAD drin und beobachtete u. a. auch, dass keine Ablichtungen von der Anlage gemacht wurden.


    Nehmen wir nur einmal die Bundesstelle für Fernmeldestatistik, da gab es im Großraum München einige Liegenschaften mit großen Antennen. Ich habe im Netz noch keine Fotos aus der aktiven Zeit gefunden. Jetzt, wo die Antennen demontiert sind, gibt es einige Fotos von diesen Liegenschaften aus den Landkreisen, Fürstenfeldbruck, Dachau, Freising, München und Starnberg, die aber jetzt nur noch eine Fläche oder gerade ein oder zwei "Baracken" zeigen. Damals wussten auch viele nicht, was es für Antennen waren und wofür diese gut sind.


    Gruß
    Jäger

  • Im Prinzip stimme ich der Aussage, dass der dt. Bundesbürger in den Zeiten des Kalten Krieges immer eine gewisse Angst mit sich führte, zu.



    Trotzdem habe ich erwartet, dass man doch noch das eine oder andere Foto vom Meißner aus der damaligen Zeit finden würde. Gar nicht mal fotografiert, weil man neugierig nach dem Unbekannten auf dem Meißner war, sondern einfach deshalb, weil es sich doch um eine markante Bergsilhouette handelte. (Naturliebhaber, Wanderer etc.) Oder eben Aufnahmen, die den Meißner eben nur als Hintergrund abbilden, weil man vielleicht Fotos von der Dörfern vor dem Meißner machen wollte.


    Auch in zahlreichen Büchern, die sich lediglich mit "Tagebau am Meißner" oder "Die Natur im und am Meißner" befassen, sind solche Aufnahme nicht zu finden. Bilder vom Gasthaus "Schwalbenthal" gibt es genüge. Doch bevor der Eloka-Turm am oberen Bildrand erscheinen kann, hört die Aufnahme auf :icon_mad_GREEN_1:


    Bzgl. der Erhaltung des Eloka-Turms oberhalb des Schwalbenthals gab es damals eine rege Diskussion in der Öffentlichkeit. Viele waren der Ansicht, man dürfe doch die markante Silhouette des Meißners nicht "zerstören". Andere wiederum verwiesen auf die enormen Kosten, die aufgrund des Erhaltes entstehen würden.



    Würde der Turm jedenfalls noch stehen, wäre das Interesse daran heute wesentlich geringer! :icon_idea2_1:

  • Da ich ja gute Kontakte z. B. zum Tagebauchef habe, konnte ich auch einige Bilder vom ELOKA-Turm bekommen. Da ich diese jedoch aufgrund der Dateigröße nicht alle hochladen kann, habe ich hier einen Link zu meiner Internetadresse, auf dem die Fotos sein werden:
    http://hoher-meissner.jimdo.com/
    Unter "Militär" sind einige zu sehen, auch vom Bau des Turmes.
    Ich hoffe, ich konnte damit weiterhelfen. :icon_biggrin_1:

  • "damals" hat man diverse Drohungen mit Geldstrafe eben noch ernst genommen und dann halt eben nicht fotografiert.
    Als "kalter Krieger", ehemaliger Wehrpflichtiger (W15) habe ich auf Wache diversen Besuchern, unter anderem auch
    einer Streifenwagenbesatzung der Polizei, ihr Fotoequipment als Wachsoldat abgenommen, das sie dann nach
    Verlassen des Geländes wieder ausgehändigt bekamen. Was wirklich anders war, niemand hatte ein Handy, also
    auch kein Fotohandy. Man musste wirklich ganz bewusst einen Foto mitnehmen, ein Fotohandy ist halt immer Parat.


    Aber eine einfache Kamera hatte wohl jeder "W15-er" auf der Bude, wenngleich auch nichts wirklich wichtiges
    fotografiert wurde, gerate in den sog. "T-Bereichen", wo beispielsweise Panzer abgestellt waren. Und da, wo
    Funkverbindungen aufliefern hatte man als normaler W15 sowieso keinen Zugang, zu meiner Zeit taten da auch keine
    Wehrpflichtigen Dienst, ich selber hatte lediglich einen "Funkkoffer Unimog" unter meinen Fittichen, und der was ausge-
    stattet mit SEM25 / 35, ein 2. Unimog hatte einen Feldkabeltrupp.


    Keiner hatte halt Bock, wegen ein paar Bildern in den Bau zu wandern, oder anderen unangenehmen Dingen ausgesetzt
    zu sein. Von der Bevölkerung wurden halt diverse Dinge schlichtweg ignoriert :-) , von manchen Liegenschaften, die ich
    aus meiner Dienstzeit kenne, z. B. die grossen Depots, wissen die Leute heute noch nix (oder wollen nicht).

    RFspace NetSDR, R&S EK070 und ESM2/EZK, Yaesu VR-5000 (als Portabel), Icom IC-R8500 tracking with NetSDR, Pappradio, Ant: HDLA -> ASA15, Discone.

  • Soweit ich weiß, gibt es davon leider keine Bilder. Ich kann jedoch weiter nachforschen, eine Anfrage nach Bildern habe ich schon gestellt. Auch noch sehr interessant: Wenn man die Straße vom Schwalbenthal zum Frau-Holle-Teich geht, führt direkt hinter dem Schwalbenthal ein kleiner asphaltierter Weg hinhab. An der rechten Seite sind große Betonblöcke zu sehen. Hier hat in den 50ern ein etwa 80 Meter hoher Mast mit einigen Baracken gestanden, nur die Fundamente für die Seilverankerung sind noch da. Es war wohl so etwas ähnliches wie der ELOKA-Turm, fragwürdig ist nur, weshalb dieser hohe Mast selbst auf Bildern vom Schwalbenthal aus den 50ern nicht zu sehen ist. Dass dieser da jedoch war, weiß ich aus sehr verlässlicher Quelle, von dem Chef des ehem. Tagebaus, und dieser ist da wohl öfter als ein Mal längsgefahren...

  • Das in der Nähe des Schwalbenthals bereits in den 50ern ein "Eloka-Turm" stand, ist für mich absolut neu. Der Wegbeschreibung nach handelt es sich dabei eher um die Überreste der ehem. und nicht mehr vorhandenen US-Anlage/BND (Cola-Dose). In den zahlreichen Büchern, die es über den Meißner gibt, ist ebenfalls darüber nichts zu lesen.


    Lasse mich aber gerne eines besseren belehren! :icon_sadnew_1:


    P.S. Bisher nicht bekannte oder veröffentlichte Bilder vom Tagesbau würden mich ebenfalls sehr interessieren!

  • Diese Information war mir ebenfalls absolut neu! Die Cola-Dose stand jedoch noch ein gutes Stück weiter weg und war kleiner. Sie wurde erst 1953 erbaut und bestand aus einem kleinen Turm und einer Hausmeisterwohnung. Alles wurde 1995 im Dezember abgerissen. Zu sehen sind noch eine Wiese und ein asphaltierter Weg. Der andere Weg befindet sich direkt hinter dem Haus Schwalbenthal und endet am Hülfsstollen. Mitten im Wald standen hier die Baracken und der Turm, die Fundamente sind auch an der Straße vor der Schwalbenthal zu sehen, wenn man hoch fährt. Gerne schreibe ich auch noch eine E-Mail mit Fotos und anderen Infos. Nur die Adresse müsste ich wissen! :icon_wink2_1:
    Schreibe mir einfach an wiemalte@yahoo.de!

  • [quote='PattePatte','index.php?page=Thread&postID=27696#post27696']Der Wegbeschreibung nach handelt es sich dabei eher um die Überreste der ehem. und nicht mehr vorhandenen US-Anlage/BND (Cola-Dose). In den zahlreichen Büchern, die es über den Meißner gibt, ist ebenfalls darüber nichts zu lesen.[/quote]das dachte ich auch, das Gelände liegt recht neben einer Straße, Weg ist geteert, macht einen kleinen Schlenker, im Weg sind 2-3 Kanaldeckel eingelassen , was mich ein wenig gewundert hatte
  • [quote='Malte','index.php?page=Thread&postID=27697#post27697']Diese Information war mir ebenfalls absolut neu! Die Cola-Dose stand jedoch noch ein gutes Stück weiter weg und war kleiner.[/quote]kannst Du die Stelle auf eine Google Karte mal einzeichnen ... hier dachte ich das die Cola Dose stand [map]http://maps.google.de/maps?q=Hoher+Mei%C3%9Fner,+Hessisch+Lichtenau&hl=de&ie=UTF8&ll=51.21745,9.876084&spn=0.001436,0.004128&sll=53.554084,9.986199&sspn=0.010899,0.033023&oq=hoher+mei&hnear=Berggasthof+Hoher+Mei%C3%9Fner+GmbH,+Hoher+Mei%C3%9Fner+1,+Hausen+37235+Hessisch+Lichtenau,+Hessen&t=h&z=19[/map]
  • Quote

    kannst Du die Stelle auf eine Google Karte mal einzeichnen ... hier dachte ich das die Cola Dose stand

    Genau an dieser Stelle stand die sog. Cola-Dose. Kann mich noch etwas an den Abriss des Gebäudes erinnern (auf der Fahrt vom Frau-Holle-Teich in Richtung Schwalbenthal).



    Auch die typische Silhouette des Meißner (mit eben beiden Abhörtürmen) schwebt mir noch vor Augen. Als die Türme dann so nach und nach der Abrissbirne bzw. dem Sprengstoff zum Opfer gefallen sind, gab es durchaus kritische Bemerkungen, man dürfe doch das gewohnte Bild des Meißners nicht einfach "in die Luft sprengen". Aber die enormen Unterhaltungskosten wurden eben dabei nicht von den Kritikern ins Auge gefasst.

  • Hier zur Veranschaulichung alle mir bekannten Militärstellungen auf dem Meißner: Melone und Camp Freya waren nur im 2. Weltkrieg in Betrieb, die übrigen im kalten Krieg.