Sinn und Unsinn des Amateurfunkes .... lohnt sich heute noch eine Lizenz ?

  • ...es ist im Zeitalter natürlich schwer zu vermitteln, warum man eine schriftliche Prüfung bei einer Behörde ablegen und sich dann für einige große Scheine einen Transceiver kaufen soll, nur um mit fernen Ländern zu kommunizieren. Ein nicht -lizensierter Bekannter fragte mich neulich beim Besuch auf dem Berg während eines UKW-Contest: "wieso rufst Du den nicht einfach an?"


    Genau das ist halt der Punkt: es geht mir persönlich (!) nicht um das Gespräch und dessen Inhalt, sondern einzig und allein um den Fakt, dass ich in der Lage bin, ohne kommerzielle Netzbetreiber Verbindungen von A nach B aufzubauen. Die dafür verwendeten Antennen sind alle Eigenbau, die Sende/Empfangstechnik ist kommerziell. Im Contest werden tatsächlich nur kurze Zahlenkolonnen ausgetauscht, das mag "stupide" klingen. Aber es ist für mich bzw. uns der Beweis, dass die Kommunikation zu Stande gekommen ist. Um über das Wetter zu reden, kann man dann wirklich das Telefon nehmen.


    Die Kommerzialisierung der Funktechnik ist einfach dem technischen Fortschritt geschuldet. Im Zeitalter immer knapper werdenden Frequenzressourcen und erheblichem "Elektrosmog" im Äther muß man schon ganz tief in die Trickkiste greifen, um nutzbare Geräte zu entwickeln. Der Absatzmarkt ist aber vergleichsweise klein (wenn man das z.B. mit Stereoanlagen oder Flatscreen-TV's vergleicht), so dass diese Preise entstehen. Wobei das auch viel billiger geht: man nehme als Einsteiger einfach einen FT817 von Yaesu, den kann man von 160m-70cm auf allen Bändern nutzen und notfalls Dank der internen Akku's auch um die Schulter hängen und portabel arbeiten - und das alles für deutlich unter 1000€. Mit dem Gerät wird man sicher keinen Contest gewinnen, man ist aber "dabei" - und das auf allen gängigen Bändern!

  • Ich denke mal, die Frage nach Sinn oder Unsinn eines Hobbys kann man bei jedem Hobby stellen. Es soll ja sogar Leute geben, die Zahlensender mitschreiben, obwohl man die 5er-Gruppen bequem mit jedem Zufallsgenerator erzeugen kann. :icon_biggrin_1: . Ich selber bin auch nach Jahren des Lauschens auf Kurzwelle aktiv geworden und erfreue mich nach einigen Monaten SSB jetzt an PSK31 und bin erstaunt, was da so alles möglich ist. Ich hatte z.B. eben ein QSO auf 10m mit einer portablen Station auf Gran Canaria, obwohl sonst auf 10m mit meiner Vertikalantenne momentan nicht viel geht. Sicherlich, da sind auch viele Textblock-Fetischisten unterwegs bei denen das QSO dann aus drei Mausklicks besteht, dazwischen sind aber auch echte Highlights. Ich finde es auf jeden Fall interessant, auch mal senden zu können und mir dann auf www.pskreporter.info anzuschauen, wo ich alles gehört werde. Und wenn man mit einem alten TS440S für 350 Euronen und einer Vertikalantenne Argentinien, Australien,Brasilien oder Neuseeland arbeiten kann, dann ist das doch schon mal was. Viel weiter wird man auch mit nem Hilberling nicht kommen :icon_lol_1: . Aber viele Menschen brauchen nun mal Statussymbole. Schaut euch mal die Autos an, da sind selbst Luxusfunkgeräte Billigspielzeug dagegen..


    Sicherlich sind auf den Bändern viele ältere Ömer unterwegs, aber Amateurfunk ist halt auch ein Hobby, welches man bis ins hohe Alter betreiben kann. Fußballer oder Triathleten werden da nicht so lange aktiv bleiben können. Es sind aber auch viele OMs dabei, die deutlich jünger sind als ich (45) beispielsweise und auch viele die erst vor wenigen Jahren die Lizenz gemacht haben. Der OM aus Gran Canaria war übrigens 28 Jahre alt, ich hatte aber auch schon 19-jährige an der Strippe; der älteste war 86 Jahre alt und ein sehr angenehmer Gesprächspartner. Und Freaks gibt es in jeder Altersklasse und bei jedem Hobby.


    Jörg.

  • also ich bring es mal kurz auf einen nenner was ich da gesehen habe:


    1.) Überteuerter Schrotthandel auf dem Flohmarkt (sorry,aber alle die da waren, ausnahmslos haben absolute abzockerpreise wo ich nur schmunzeln konnte)
    2.) Fachgötter, die aber von ihrem Tron nicht mal nach unten schauen wollten .... ist ja nur Fussvolk
    3.) Man kennt sich, kommunikation aber bitte nur über Funk... da muss ich dem Gegenüber nicht in die Augen schaun


    naja.. so könnte ich die liste weiter schreiben!


    Aber der Knaller war wirklich auch noch der Technik-flohmarkt auf dem Freigelände! 40% der Stände hatten kein Zelt oder eine Überdachung. Was passiert also bei Regen (und ja, es hat übelst geregnet)?
    Genau... alle technischen Geräte gehen komplett baden!
    Jetzt sollte man denken ... gut die kennen sich ja aus und räumen den kram zum trocknen weg oder schmeissen das zeug auf den Müll!
    Fehlanzeige, es wurde klatschnasser kram an jugendliche und alte technikfreaks zu den jetzt noch mehr überteuerten preisen verkauft.


    Ich kann da einfach nur noch den kopfschütteln und mir war es zu blöd mich mit den leuten da auch noch weiter zu unterhalten....


    Also wenn das die zukunft des amateurfunks wiederspiegelt, wird mir einiges klar und es deckt sich mit dem was ich auf die lokalen relais so höre ....
    (wie gesagt, es gibt sicher reichlich ausnahmen, aber so ist das dem untergang geweiht... interessierte einsteiger werden garnicht mehr soweit kommen das sie auf den bändern, wo es interessant werden könnte betrieb machen, da sie vorher schon abgeschreckt sind!)

  • ...die Zeiten von Schnäppchen auf Flohmärkten ist doch schon Jahre Vergangenheit, da muß man sich nichts vormachen. Die Typen dort sind in der Regel gewerbliche "Flohmärker" und das tut den Preisen nicht gut. Oft haben die auch keine Beziehung zu dem Kram, dann bleibt es eben im Regen stehen. Trotzdem - schließe nicht von solchen Erlebnissen auf eine ganze Hobbygilde, es geht auch viel besser. Wer echtes Interesse hat, der suche sich via www.darc.de einen Ortsverband in seiner Nähe und dort sollte man einfach mal hingehen. Passt es nicht, sucht man sich einen anderen OV oder man bleibt ganz ohne diese Vereinsstruktur.

  • aber genau da hast du schon selst das problem angesprochen: amateurfunk ist am aussterben! nachwuchs fehlt und man zerbricht sich gerade beim darc den kopf wie man wohl junge leute gewinnen könnte ...


    es mag einzelne gruppen geben die auch aktiv und gut sind .. aber wenn der nachwuchs schon suchen muss bis er einen OV findet der aufgeschlossen ist und sich auch nicht ganz so fachidiotisch benimmt, bis dahin ist es zuspät ...


    "wer interesse hat wird schon suchen und finden" ... genau das ist die falsche aussage wenn man neue leute für so ein hobby gewinnen möchte ...

  • Funk scheint auch allgemein nicht modern zu sein; Selbst ein Suchlauf über die Frequenzen des CB-Funkes bringt nichts als weißes Rauschen. Wenn das jemand vor 25 Jahren voraugesagt hätte dann würde Ihm wohl kaum Einer geglaubt haben. Damals gab es aber auch noch kein Internet und keine Foren in denen man sich über gemeinsame Interessen unterhalten kann.

  • Die Totengräber sitzen in der Politik (Standortbescheinigung) und der DARC tut ein übriges. Der Alltag
    wird bestimmt durch Hierarchie und Hackordnung und wenn das immer noch nicht reicht, der überall
    zu findende HF-Müll verseucht die Bänder. Da ist es nicht nur schwer, jungen Nachwuchs zu finden,
    sondern auch Stationen, die das schöne Hobby schon Jahrzehnte betreiben schmeissen sang und klanglos
    das Handtuch. Wer sich mit Funkerei beschäftigt, egal nun aus welchem Lager, wird heute als
    Nostalgiker abgestempelt. Da ist dann halt Umdenken gefragt, aber anstatt sich damit abzufinden,
    wird immer noch vergangenen Idealen hinterhergejagd, man kann heute nicht mehr als Technologie-
    Vorreiter brillieren, man muss sich eine neue Schiene suchen, von mir aus auch die Nostalgie.



    Aber es gibt sie noch, die Leute, die sich freuen, mit ihrem selbstgestrickten Drahtverhau über den
    Atlantik zu kommen, oder die CB Funker, die ihre Kisten auf einen Berg schleppen, um zu sehen, wie
    weit es geht. Und solange es noch Sender gibt, die Funken, wird es auch SWLs geben, die das alles
    spannend finden.

    RFspace NetSDR, R&S EK070 und ESM2/EZK, Yaesu VR-5000 (als Portabel), Icom IC-R8500 tracking with NetSDR, Pappradio, Ant: HDLA -> ASA15, Discone.

  • Das Problem am Amateurfunk ist in meinen Augen, daß dieses Hobby von alten Männern betrieben wird. Wenn man auf Messen geht und sich bei den Verbänden umschaut, so trifft man zu 95% weißhaarige Herren jenseits der 65. Und diese Generation schafft es (verständlicherweise) nicht mehr das Hobby so darzustellen, daß sich auch jüngere Leute dafür interessieren. Dazu muss man sich nur mal den DARC Imagefilm anschauen. Wenn man den als junger Mensch sieht, fühlt man sich 0 angesprochen. Beim DARC klopfen sich die alten Herren für diesen Film aber gegenseitig auf die Schulter und man glaubt das Nachwuchsproblem nun ein für alle mal gelöst zu haben.



    Ich bin mir sicher, daß das Hobby Amateurfunk ein sehr interessantes Hobby ist, das auch junge Leute in seinen Bann ziehen kann. Man muss es nur modern vermitteln. Damit das geschieht muss aber wohl zunächst ein Generationswechsel stattfinden.

  • Das Problem ist, dass diese alten Herren eine panische Angst vorn neuen Medien wie z.B. Facebook etc. haben. Ich wollte fuer eine Aktion im Rahmen einer Amateurfunkausstellung etwas Werbung auf Facebook machen. Die haetten mich fast aus dem Orgateam "exmatrikuliert". Ich habs trotzdem gemacht und es sind dann auch viele junge Menschen gekommen. Dannach fanden sie es gut.

  • Nun, da ich ja auch schon ein paar Gründonnerstage mit dem Amateurfunk verbracht habe werde ich da auch mal meinen Senf dazugeben. Auch wenn der Eröffnungsbeitrag nicht mehr ganz taufrisch ist.
    Die Frage ob eine Prüfung zeitgemäß ist oder nicht stellt sich IMHO gar nicht. Im Gegensatz zu anderen Funkanwendungen wie Freenet, PMR446 oder CB-Funk ist der Amateurfunk ein FunkDIENST und damit rechtlich GLEICHBERECHTIGT mit anderen Funkdiensten wie dem Seefunk, Flugfunk, etc.
    Die Besonderheit liegt nun daran das der Anwender geprüft ist und nicht die verwendeten Gerätschaften. Also darf man auch vom Anwender gewisse Basics erwarten, und die werden halt vor Erteilung des Rufzeichens abgefragt.


    Außerdem kenne ich kein anderes Hobby mit technischem Hintergrund in dem man seine persönlichen "Skills" so gut und umfassend entwickeln kann. Das womit sich die heutige "Maker"-Szene feiert haben Funkamateure schon vor Jahrzehnten gemacht. Vor ein paar Tagen hat das ein OM auf 80m schön auf den Punkt gebracht. Zitat: "Es gibt zwei verschiedene Ansätze um zum Amateurfunk zu kommen. 1. Was muss ich tun um möglichst schnell 100 Länder zu arbeiten? 2. Was muss ich tun um nicht doof zu sterben?" Mein Kreuz habe ich bei 2. gemacht. :-)


    Und auch nach 25 Jahren Amateurfunk finde ich es immer noch spannend wer auf meinen CQ-Ruf antwortet: Ein Rentner aus Hamburg? Ein Schüler aus Dubai? Ein Farmer aus dem mitttleren Westen?
    Und das ganze Handgemacht! Wo kriege ich das sonst?


    Holger

  • Hallo,


    auf die Frage von Gelegenheitshörer zur AFu-Lizenz bei Rückgabe ist folgendes zu sagen. Die Prüfung verfällt nicht, das Rufzeichen wird allerdings nach einiger Zeit neu vergeben. Man bekommt die ungültig gestempelte Lizenz-Urkunde mit einem entsprechenden Begleitschreiben von der RegTP zurück.


    Und noch zum eigentlichen Thema: Mich reizt an Afu die Vielfalt der Betriebsarten und die Möglichkeit des Selbstbaus. Und wenn ich mal einige Zeit mal keine Zeit oder Lust zum Funken habe, dann ist das auch nicht weiter wild. Es gibt ja keinen Leistungszwang.


    73


    Gottfried, DG0JN