Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Na, da wollen Wir mal mit dem Archiv anfangen (stöhn..)

      Die "Bundesstelle für Fernmeldestatistik" in Söcking (Landkreis Starnberg), am Höhenweg, war im 3. Reich eine Horchstelle des Wehrkreiskommandos VII.
      Nach dem 2. Weltkrieg ca. 1947-48 wurde sie von der OG (Organisation Gehlen) wieder aktiviert als Horchstelle C.
      Anfangs war sie noch von der Bundespost belegt, OG war zuerst Untermieter, anschliessend aber alleiniger Hausherr.
      Wenig später diente sie wahrscheinlich als „Rundspruchdienst“, einen Führungsdienst, der auf bestimmten Frequenzen verschlüsselte Anweisungen für ND-Verbindungen in Europa und Übersee sendete. Ebenso wie die ehemaligen Anlagen in Dachau/Kreuzholz und Tutzing. Beide existieren heute nicht mehr.
      Damals wurden die Nachrichten mit einem Zahlenrapidgerät, einem elektronischen Speicher- oder Gebergerät, im Schnellstsendeverfahren auf dem Funkmeldeweg übertragen.
      Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde es wohl Still in Söcking.
      Nach dem 11. September und dem Irakkrieg scheint die Anlage wieder aktiv zu sein.
      Nachts brennt Licht in den Räumen.
      Ob sie in direkter Verbindung mit der SBND, Schule des BND, welcher ca. 1 km entfernt in der Friedhofstr. residiert, ist nicht bekannt.

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Danke für die tollen Bilder, Bob!

      Habe selber gerade über dieses Thema gelesen:

      "(...) Die „ND-Begriffbestimmungen für den Bundesnachrichtendienst“ in der Neufassung von 1974 kannten den Rundspruchdienst, d.h. einen Funkführungsdienst, der auf bestimmten Frequenzen verschlüsselte Anweisungen für ND-Verbindungen im europäischen Bereich (Anm.: deckt sich damit, dass die G*-Zahlenfrauen eher im unteren Kuzwellenband senden) sendete, oder sich beim Individuellen Rundspruchdienst an bestimmte Zielpersonen richtete. Die BND-Residentur in Rom, die Führungsstelle IV des Marquese de Mistura, steuerte beispielsweise 1968 mit der Funkstelle HELIOS den Schalt- und Sicherheitsbereich Mittelmeerraum.

      Der Schnellinformationsdienst wiederholte chiffrierte Sendungen auf allen Frequenzen auch für das außereuropäische Ausland und der Sonderblindfunkdienst schickte weltweit in Morsetelegrafie verschlüsselte Anweisungen an bestimmte Zielpersonen. Mit einem Zahlenrapidgerät, einem elektronischen Speicher- oder Gebegerät, wurden Nachrichten im Schnellsendeverfahren auf dem Funkmeldeweg übertragen. Perfektioniert hat der BND die Schnellübertragung auch über Telefon durch die Entwicklung des Systems SCHNELLBAHN, das komprimiert verschlüsselte Nachrichten an die Agenten in Osteuropa übermitteln konnte, und durch das in Radios versteckte Empfangssystem HARPUNE.

      Eine seiner Sendeanlagen betrieb der BND in Dachau/Kreuzholzhausen. Offiziell firmierte das „Objekt MÜHLE“ als Prüfstelle der „Bundesstelle für Fernmeldestatistik“. Für den Agentenfunk und den Fernmeldeverkehr zu den Auslandsresidenturen nutzte der BND in den achtziger Jahren auch das „Objekt ALPINA“ bei Tutzing. So wenig wie der Dienst eine Unterwanderung seines operativen Bereichs durch DDR-Agenten verhindern konnte, so wenig hat er sein vorzügliches Aufklärungs- und Kommunikationssystem vor Mithörern des Ministeriums für Staatssicherheit schützen können. Von der Abhörstation TOPAS in der CSSR aus konnte das MfS den unverschlüsselt über Richtfunk laufende Verkehr von ALPINA nach München erfassen. Da über diese Station auch die Satellitenverbindung zu den Legalresidenturen in Kairo und Amman sowie zum illegalen BND-Stützpunkt in Damaskus liefen, blieb den MfS-Operateuren nicht verborgen, was zwischen der Pullacher Zentrale und den drei Außenposten im Nahen Osten ablief. Im Jahre 1984 beispielsweise glaubten die BNDler in der ägyptischen Hauptstadt herausgefunden zu haben, in welche Wohnung der neue Militärattaché der DDR einziehen würde. In Abstimmung mit ihrer Führungsstelle im Isartal mieteten sie eine anliegende Wohnung an und statteten diese mit reichlich Abhörtechnik aus. Da das MfS die militärische Aufklärung der NVA längst vorgewarnt hatte, wurde die Wohnung in Kairo nicht mit dem Attaché belegt, sondern mit einem harmlosen Außenhandelsbeamten. Über sechs Monate lang war die teure, aus der Bundesrepublik herangeschaffte Abhörtechnik gebunden, bis die Lauscher an der Wand bemerkten, daß ihr Lauschangriff sich nicht gegen einen besonders gut getarnten Offizier der Nationalen Volksarmee gerichtet hatte. Die Abhörspezialisten in der DDR registrierten via ALPINA wiederum mit besonderer Genugtuung, daß der BND-Resident in Kairo, Dr. BECKER, mit einem Tobsuchtsanfall auf den Flopp reagiert hatte.

      Im Herbst 1995 zeigte sich der BND erneut verwundbar, als es einem südosteuropäischen Dienst gelungen war, Codes und Paßwörter der BND-Datenfernübertragung zu knacken. (...)"

      http://www.desert-info.ch/download/pdf/PDF-Forum/Kreipe.pdf

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Hallo Leute,
      bei der Funkanlage in Söcking scheint nicht mehr viel los zu sein.
      Alle Schilder und Ueberwachungskameras sind weg,
      Kein Hund mehr im Zwinger ;D
      Material der Gemeinde wird dort gelagert.
      Wie es scheint benutzt das "Grosse Ohr" aus Pullach die Anlage nicht mehr aktiv.
      Vielleicht werden die Antennenmasten noch als "Backup" benutzt?
      Weiss jemand mehr?
      Eine der Antennen wird wohl noch als Relais benutzt.
      Aktuelle Bilder dazu gibt es hier:
      http://www.flickr.com/photos/signalsintelligence/
      Auf dieser Seite scheitere ich seit einiger Zeit mit Bildern raufladen.
      Jede Menge Fehlermeldungen. Meine Bilder scheinen aber ok zu sein....
      Grüsse,
      Bob

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      [quote author=Bob link=topic=4.msg438#msg438 date=1201086835]
      Eine der Antennen wird wohl noch als Relais benutzt.
      [/quote]
      Könnte die Richtung einer der beiden Antennen nach Pullach passen? Wohin könnte der andere Spiegel funken?
      Macht es überhaupt noch Sinn, Stationen via RiFu anzubinden, bei den geringen Preisen für Internetverbindungen die man ja perfekt mit VPN absichern kann?
      Klasse Bilder, vielen Dank!

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      [quote author=WoB link=topic=4.msg439#msg439 date=1201107707]
      [quote author=Bob link=topic=4.msg438#msg438 date=1201086835]
      Eine der Antennen wird wohl noch als Relais benutzt.
      [/quote]
      Könnte die Richtung einer der beiden Antennen nach Pullach passen? Wohin könnte der andere Spiegel funken?
      Macht es überhaupt noch Sinn, Stationen via RiFu anzubinden, bei den geringen Preisen für Internetverbindungen die man ja perfekt mit VPN absichern kann?
      Klasse Bilder, vielen Dank!
      [/quote]

      Wenn ich das richtig sehe könnte einer der Reflektoren Richtung Pullach zeigen, beim 2. Reflektor bin ich mir nicht ganz sicher (ein "passendes" Gegenstück wäre sicherlich die Söckiner Liegenschaft in der Friedhofstr.) - dafür sind die Bilder zu ungenau.
      Was mich in diesem Zusammenhang wundert ist aber das es in der EMF-Datenbank genau auf der Liegenschaft folgende Mobilfunk-Antennen geben soll:
      Sendeantenne Montagehöhe über Grund (m) Hauptstrahlrichtung (HSR) in ° Sicherheitsabstand in HSR (m) Vertikaler Sicherheitsabstand (m)
      Mobilfunk 7.6 125° 7.88 0.96
      Mobilfunk 7.6 200° 7.88 0.96
      Mobilfunk 7.6 60° 7.88 0.96
      Nach klassischem Mobilfunk sehen die Richfunkantennen auf den Bildern aber ganz und garnicht aus. Gibt es in unmittelbarer Umgebung der Liegenschaft eine sichtbare Mobilfunk-BTS? Oder wurde die Anage korrekt angemeldet und zur "Sicherung" als Mobilfunk kategorisiert?

      QRT,
      d
      Spionage ist eine streng verbotene Notwendigkeit

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Die Mobilfunk-Antenne befindet sich http:

      http://www.geodaten.bayern.de/BayernViewer/index.cgi?rw=4448740&hw=5318750&layer=DOP&step=0.25
      (links neben der Strasse vor dem Wäldchen)
      Grüsse,
      Bob

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Bob“ ()

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Söcking ("KLEEFELD") ist mind. seit Sommer 2006 deaktiv, war selbst vor Ort, Zustand damals schon wie Fotos bei flickr.
      Stehengelassene ANtennen deuten also nicht unbedingt auf eine weitere Nutzung hin.
      Siehe z.B. auch "PHFS" bei Kirspenich/Eifel (abgesetzte Sendestelle Bunker Marienthal), seit Jahren in Privatbesitz, alle Antenne stehen da auch noch (aber im dortigen Bunker ist die Technik entfernt, Kabel gekappt).

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      [quote author=EMEFBE link=topic=4.msg463#msg463 date=1201537126]
      ... Macht es überhaupt noch Sinn, Stationen via RiFu anzubinden, bei den geringen Preisen für Internetverbindungen die man ja perfekt mit VPN absichern kann?

      Sehe ich auch so. Sind wohl noch Relikte aus der "alten Zeit" ....
      [/quote]

      Nun, das kann man so nicht unbedingt sagen. In bestimmten Bereichen legt man auch heute noch Wert auf dedizierte, private Verbindungen wie man sie z.B. mit Richtfunk oder eigenen Kabelwegen erreicht, schon alleine weil es für einen potentiellen Angreifer deutlich einfach ist sich Rohdaten einer Verbindung über ein öffentliches Netz zu "besorgen". Da haben wir im Internet nämlich teilweise sehr viele Punkte an denen ein Zugriff möglich ist: Vermittlungsstelle, POP des Internet-Anbieters, Netzknoten des Internet-Anbieters , Repeaterstationen in den Glasfasernetzen, Austauchpunkte zwischen Anbietern und sicherlich hab ich auch ein paar Stellen vergessen. Solche Lokalitäten teilen sich meistens auch mehrere Anbieter bei denen dann nicht immer sicher gestellt ist das das Personal unbedingt vertrauenswürdig ist (ich hab da schon Gestalten in Vermittlungsstellen und Rechenzentren gesehen...) und somit auch der Zugang entsprechend abgesichert ist. Durch die immer weitere Verbreitung von IP und Ethernet in Netzen von großen Netzanbietern wird es dann nochmal einfacher Daten zu beschaffen, dann genügt nämlich auch ein Notebook und ein kleines Kasterl um die Rohdaten verfolgungfrei zu erfassen.
      Bei RiFu oder privaten Netzen brauche ich da schon anderes Equipment und mehr Knowhow um überhaupt an Rohdaten zu kommen.
      Wie ich diese Rohdaten dann weiter verarbeite ist aber eine andere Geschichte. Allerdings darf man nicht vergessen das die meisten Hersteller solcher VPN-Lösungen aus den USA kommen. Und wer kann da schon sagen ob es nicht doch ein Hinterürchen gibt (man sehe sich mal den Skandal um die Crypto AG an).
      Aus diesem Gründen ist in Organisationen mit erhöhtem Schutzbedürfnis die Nutzung von VPN's über öffentliche Netze stark reglementiert oder gar verboten. Zumindest bei der Firma Flecktarn ist mir in sensitiven Bereichen ein völliges Verbot bekannt.

      So, und nachdem ich jetzt genug über Sicherheit in öffentlchen Netzen geschrieben habe könnte HW als Zugabe ja etwas zu elektromagnetischer Abstrahlung erzählen ;) .

      QRT
      Spionage ist eine streng verbotene Notwendigkeit

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      Elektromagnetische Abstrahlung, was ist das?? (Kenne ich nicht, meine Räume haben eine schöne Tapete aus Kupfer ;D )

      Aber vor vielen, vielen Jahren habe ich schon Sachlagen mittels Geräte kennengelernt, die heute noch nicht einmal geglaubt werden.
      Da hat hat doch jemand einen tragbaren Fernseher in seinem Pkw und hat auf dem Bildschirm genau den Liebesbrief, den die Sekretärin im 5. Obergeschoss gerade auf ihrem PC an den Chef schreibt.

      Re: Bundesstelle für Fernmeldestatistik Söcking/Starnberg (Bayern)

      [quote author=rx0 link=topic=4.msg464#msg464 date=1201547283]
      Aus diesem Gründen ist in Organisationen mit erhöhtem Schutzbedürfnis die Nutzung von VPN's über öffentliche Netze stark reglementiert oder gar verboten. Zumindest bei der Firma Flecktarn ist mir in sensitiven Bereichen ein völliges Verbot bekannt.
      [/quote]
      Die Argumente mit dem Abgriff der Rohdaten, und dass man sich nie sicher sein kann, wer alles Hintertürchen in fremde VPN-Lösungen einbaut, sehe ich schon.
      Allerdings gibt's ja beispielsweise auch die SINA-Box. Die wurde ja von BND-nahen Stellen designed und entwickelt und wird ja beispielsweise in der Kommumikation der Deutschen Botschaften im Ausland mit dem Auswärten Amt eingesetzt. Und da wir ja alle wissen, wer in den Botschaften Untermieter ist, würde es zumindest Sinn machen, wenn auch die Herrschaften aus Pullach über SINA kommunizieren. Und SINA ist zum großen Teil ja VPN wenn ich das richtig verstanden habe. Warum wird dann also VPN zur Kommunikation sogar durch ausländische Netze eingesetzt, in der Heimat soll's dann aber zu unsicher sein?